Arbeitet man als Psychologe in der Wissenschaft, dann kommt es häufig vor, dass für Experimente bestimmte Tests programmiert werden müssen. Doch auch in anderen Berufen ist es lohnenswert, Programmiersprachen zu können. Ich wäre überglücklich, hätten mir moderne Computerspiele schon als Kind das Programmiern spielerisch beigebracht. So ging ich den mühsamen Weg von ersten Erfahrungen mit BASIC über Delphi im Informatikunterricht zu diversen psychologischen Testprogrammiersprachen. Ich muss immer noch viel dazu lernen und habe gleichzeitig wenig Zeit – daher muss ich besonders effizient und motiviert lernen.

So mühsam und trocken war es dann aber doch nicht immer. Das Konzept des spielerischen Lernens ist schließlich nicht neu. Eine einfache Programmiersprache mit einer noch einfacheren grafischen Ausgabe sollte dies ermöglichen: LOGO. Im Informatikunterricht konnte uns auf dieser Basis ein Programmteil namens Turtle(graphics) die ersten Grundlagen des Programmierens beibringen (inklusive Rekursion, Schleifen etc.).

turtle.pngDas Prinzip von Turtle ist sehr einfach: Ein Schildkröte wird auf dem Bildschirm gezeigt und hinterläßt beim Bewegen einen Strich auf der zurückgelegten Strecke. Die Bewegung (wieviele Schritte in welche Richtung) wird durch den Programmcode vorgegeben. Es lassen sich interessante Bilder dadurch erstellen, gerade wenn man geometrische Formen miteinander kombiniert. So lassen sich Bäume und und Fraktale verwirklichen. Turtle lässt sich auch in andere Umgebungen integrieren: Siehe hier. Linuxnutzer freuen sich über KTurtle. Ein interessanter englischer Artikel zu Turtle im Schulunterricht. Turtle ist natürlich nur ein Einstieg.

Hier gibt es ein PDF über Praxiserfahrung mit spielerischen Programmieren in der Unterstufe und den Programmen JAVAKara und Robot Karol. Es fehlten allerdings an meiner Schule (oder zu der Zeit?) weiterführende Konzepte, die diesen Ansatz des spielerischen Lernens weiterverfolgt hätten. Damals hätten mir folgende Projekte gut dabei helfen können:

colobot.jpgColoBot ist ein Spiel, das grafisch viel mehr zu bieten hat als TurtleGrafics. In einer dreidimensionalen Welt mit schönen Effekten gilt es verschiedene Aufgaben zu meistern und Abenteuer zu bestehen. In das Spiel ist eine Programmierspache integriert, die es erlaubt Mondfahrzeugen und anderen Robotern Verhaltensanweisungen vorzugeben. Der Erfolg des Programmierens zeigt sich bei der Bewältigung der Aufgaben wie z.B. Ressourcensammeln.

Das kostenlose AntMe! stellt das Programmieren von künstlichen Intelligenzen in den Vordergrund, bringt dabei aber auch die Grundlagen verschiedener Programmiersprachen bei: C#, VisualBasic .net und bald auch C++. Die Aufgabe besteht für den fleißigen Schüler darin, die Programmroutine für ein Ameisenvolk zu entwickeln und zu optimieren, so dass die winzigen Krabbler selbständig Nahrung finden, diese in den Ameisenbau transportieren, sich dabei gegenseitig unterstützen und vor Feinden (Käfern) schützen. Das ist natürlich schon eine gewisse Herausforderung und nicht für den absoluten Einsteiger gedacht. Geholfen wird im Internet auf verschiedenen Foren und durch zahlreiche Tutorials.

Das Video gibt einen kleinen Vorgeschmack auf die grafische Präsentation:



Seit gut 10 Jahren gibt es LEGO Mindstorms: aus Legobausteinen erstellte Robotor, die am Computer programmiert werden können. Die Software kann auch mit einem simulierten Robotor ausprobiert und getestet werden. Die Legoroboter können auch über andere Sprachen, wie z.B. Java gesteuert werden. Schon in der Grundschule können anhand der Legomaschinen interessante Lerneinheiten gestaltet werden.

Lernspiele und darunter Programmierlernspiele werden sich stetig weiterentwickeln und bieten jetzt schon gute Möglichkeiten, sich mit dem Thema Programmierung spielerisch auseinanderzusetzen. Über Hinweise zu weiteren Programmierspielen würde ich mich sehr freuen!