Heute abend (Mittwoch, 08.10.2008 00:00 – 00:30 Uhr) läuft im ZDF die Dokumentation Gefährliches Flimmern von Rainer Fromm zum Thema Gewalt in digitalen Spielen. Aus dem Inhalt:

Wenn virtuelle Gewalt real wird.
Jeder vierte Deutsche über 14 Jahre spielt am Computer, 2,6 Milliarden
Euro Rekordumsatz prognostiziert die Branche für das laufende Jahr,
verspricht mit ihren digitalen Produkten einen hohen Spaß- und
Lernfaktor. Doch in vielen Computerspielen geht es auch ums Schießen,
Schlagen und Töten. Ob Killerspiele oder Horrorfilme, virtuelle Gewalt
bleibt nicht folgenlos, so die Erkenntnis vieler Wissenschaftler, auch
wenn über Ausmaß und Konsequenzen heftig gestritten wird.
„Mediengewalt ist ein eigenständiger Faktor, der selbst nicht-
prügelnde Kinder gewalttätig macht“, warnt etwa der Münchner
Schulpsychologe Dr. Werner Hopf. Jede vierte Gewalttat sei auf Medien
zurückzuführen, heißt es in seiner neuesten Studie. Auch der Göttinger
Professor für Neurobiologie Gerald Hüther erkennt fließende Übergänge
zwischen virtueller und realer Gewalt. So hätten viele Jugendliche
„nicht mehr das Gefühl für das Reale“, würden „bedenkenlos den anderen
treten, weil sie es aus der virtuellen Welt mitgebracht haben“.
Der Pädagogikprofessor Wassilis Kassis, der umfangreiche Studien zur
Wirkung medialer Gewalt auf Schüler leitete, schränkt ein: „Die
Gewaltmedien, so schändlich sie auch sein mögen, haben einzig bezogen
auf eine ganz spezifische jugendliche Gruppe eine so negative
Auswirkung, dass es nachher auch zu Gewaltakten kommt.“
Die Dokumentation greift die gesellschaftliche Debatte um Gewalt in
den Medien auf und lässt diejenigen zu Wort kommen, die es direkt
betrifft: junge Menschen, die Stunde um Stunde vor dem Computer sitzen
und auf Spielfiguren zielen, einen negativen Effekt jedoch weder
bemerken noch befürchten.
Der Film zeigt aber auch junge Männer, die irgendwann zwischen
virtueller und realer Welt nicht mehr unterscheiden konnten. Ganz
offen reden sie über die Verwirklichung von Gewaltphantasien in realen
Taten bis hin zu schweren Gewaltdelikten, wie der 20-jährige Özcan.
„Dieser ganze Frust, den ich in mir getragen habe, keiner wollte mit
mir sprechen, dann hatte ich nur noch diese Videospiele und das Video,
und dann ist es zur Tat gekommen. Ich hatte nichts anderes mehr als
Gewalt.“
Ähnlich erging es auch dem 19-jährigen Karl: „Zu Hause hatte ich oft
nicht das Sagen, als Jüngster in der Familie. Da habe ich auch Gewalt
erfahren, und da war es für mich eine Abwechslung, im Spiel an der
Macht zu sein, am längsten Hebel zu sein.“
Es ist das erste Mal, dass Hintergrundgespräche mit jungen
Gewalttätern gefilmt werden durften. Ihre Aussagen werden mit Hilfe
ihrer psychologischen Betreuer eingeordnet.

Es erwartet uns mit großer Wahrscheinlichkeit eine Dokumentation, die einen direkten Zusammenhang zwischen Gewalt in Spielen und realer Gewalt herstellt. Ich hoffe sehr, dass Herr Fromm diesmal weniger reißerisch und differenzierter an das Thema herangeht. Es bleibt spannend.

Der Beitrag ist legal auf der ZDF-Mediathek zu sehen.

Hier die entsprechenden YouTube-Mitschnitte: