Fassunglos und bestürzt sind nicht nur die Menschen in Alabama und Winnenden. Wir alle sind es. Weltweit.
Denn es ist schon wieder passiert. Schießereien auf offener Straße und in einer Bildungseinrichtung.

Schnell geht es in Diskussion um mögliche Ursachen. Zu groß ist die Fassunglosigkeit. Wieso passieren derartige Tragödien?

Die Suche nach den Ursachen (Kausalität) hilft wahrscheinlich, so ein unverständliches, schreckliches Ereignis besser einzuordnen und zu verarbeiten. Das Gefühl der Hilflosigkeit wird erträglicher, das Unverständniss gemindert. Leider kommt es schnell zu voreiligen Schlüssen. Die Kombination aus gesellschaftlichen und individuellen Problemen, gepaart mit Medien und Waffenzugang ist sehr komplex. Zudem sind “Amokläufe” sehr medienwirksam. Das führt erst recht zu einem Handlungsdruck. Als ob die Vorfälle nicht schon Grund genug wären.
Politisch ist es  notwendig zu handeln, selbst wenn an den wahren Ursachen vorbei gehandelt wird. Scheinhandlungen, die nicht die wahren Ursachen angehen, aber mit irgendwelchen Konsequenzen überzeugen sollen, sind leider keine Seltenheit.

Heute Abend geht die Diskussion um den Einfluss von Onlinemedien und Computerspielen in eine neue Runde. Mit dabei sind der Kriminologe Christian Pfeiffer, der Politiker Wolfgang Bosbach, die Psychologin Rebecca Bondü und der Journalist Tom Westerholt. Ein Medienspektakel mit teilweise bekannten Gesichtern. Die Thesen einzelner Menschen kann man sich schon gut vorstellen. Wann geht diese Diskussion in eine konstruktive Richtung? Wieso wird am Abend der Tragödie schon so eine Show bei Hart aber Fair veranstaltet? Einschaltquote oder Gesprächstherapipe? Vielleicht beides.

Der Ruf nach einem Waffenverbot ist nur allzuverständlich. Der einfache Waffenzugang ist sicher ein größeres Problem als Spielekonsum, dennoch liegt die Ursache solcher Schulschießereien unter einer Fülle von Einflussfaktoren und Wechselwirkungen vergraben. Lobbyismus an allen Ecken macht die Diskussion nicht gerade fruchtbarer. Wieviel Zeit gibt sich jeder von uns, um über die Vorfälle nachzudenken? Diese Form des Terrors ist unmittelbar gegenwärtig.

Der Einfluss des Medienhypes um solche Taten ist übrigens nicht zu unterschätzen. Weltweit wird nun über den Schützen diskutiert. Er kriegt das nicht mehr mit, aber der nächste potentielle Racheläufer malt sich vielleicht schon den eigenen Ruhm aus. Beide Fälle sind übrigens recht unterschiedlich. Monokausale Ursachenzuschreibungen sind so oder so fehl am Platz. Waren beide Täter verrückt? Kann man so etwas machen und nicht verrückt sein?
Sozialer Ausschluss, Mobbing und andere gesellschaftliche Probleme könnten bei einigen Tätern Teil des komplexen Ursachengefüges zu sein.Vielleicht sollten wir doch auch auf gesellschaftliche Misstände schauen. Die zu verändern geht uns alle an.