Gastbeitrag von Thomas-Gabriel Rüdiger:
600 Euro in 12 Stunden sollen Häftlinge einer chinesischen Gefängnisanstalt mit Goldfarming in World of Warcraft jeden Tag erwirtschaftet haben.
Unter Goldfarming versteht man das arbeitsmäßige und auf Profit ausgerichtete Erspielen von Items und Gold in Onlinegames. Freilich arbeiteten die Gefangenen nicht für den eigenen Bedarf, sondern für die Tasche des Gefängnisdirektors. Wenn die Anstalt 100 Gefangene hatte, die in dieser Form eingesetzt wurden, konnte das Gefängnis ca. 400.000 Euro pro Woche verdienen.
Neben der Verwerflichkeit des Gefängnisaufsehers verdeutlicht dieser Vorfall vor allem, dass der Handel mit Items und Gold ein äußerst lukratives Geschäft ist. Und wie in jedem lukrativen Geschäftsfeld gibt es auch hier Menschen die lieber mit kriminellen Handlungen einen Teil des Kuchens abbekommen möchten.

So haben wohl die meisten der ca. 350 Millionen Nutzer virtueller Welten weltweit Erfahrungen mit Schadsoftware oder Phishing-Emails, die darauf ausgerichtet waren die Zugangsdaten zum lange gepflegten Gameaccount zu erlangen. Aber auch Täuschungshandlungen und Betrügereien in den Welten selber sind keine Seltenheit. Gerne werden gerade die leichtgläubigen Nutzer mit Versprechungen von besonderen Items oder viel Gold dazu bewegt ihre Zugangsdaten herauszugeben. Nicht selten werden dann die virtuellen Kostbarkeiten auf einschlägigen Internetseiten oder auf Ebay für viel (reales) Geld verkauft.
Dabei sollte sich niemand täuschen lassen, auch mit diesen Handlungen kann man sich strafbar machen. In einem für Deutschland bisher einmaligen Urteil des Amtsgerichtes Augsburg aus Oktober 2010 hat dieses erstmalig eine solche Betrugshandlung zur Erlangungen virtueller Güter in dem Onlinespiel Metin 2 behandelt und den Täter verurteilt.
Aber nicht nur Vermögensdelikte, sondern auch sogenannte Meinungsäußerungsdelikte werden in virtuellen Welten begangen. Nutzer beleidigen sich tagtäglich gegenseitig, es werden Drohungen oder Volrksverhetzungen ausgesprochen und gar nicht so selten werden auch geplante Amokläufe oder Suizide verkündet.
Gerade die Vielseitigkeit der Interaktionsmöglichkeiten in Lebenssimulationen wie Second Life und Twinity, ermöglichte zudem in der Vergangenheit und vermutlich auch noch in der Gegenwart auch eher absonderliche Delikte. In Second Life existierte mit Ageplay ein eigener Begriff für den virtuellen Geschlechtsverkehr zwischen kindlichen Avataren und deren erwachsenen Pendenten (ggf. strafbar als Verbreiten kinderpornografischer Schriften). Hier stellt sich auch immer die Frage, ob hinter den Nutzern die solche Vorstellungen interaktiv in virtuellen Welten ausleben, Menschen stehen, die dazu auch in der physischen Realität bereit wären.
Aktuelle Forschungen gehen in Deutschland dabei davon aus, dass jährlich ca. 6 – 7 Millionen Straftaten (einschließlich Versuchs- und Mehrfachtaten) im Zusammenhang mit virtuellen Welten begangen werden. Obwohl alleine in Deutschland ca. 11 Millionen Menschen täglich virtuelle Welten besuchen, hat eine wissenschaftliche oder gar kriminologische Untersuchung von strafrechtlich relevanten Handlungen bisher nur zögerlich stattgefunden.
Wer Interesse daran hat sich in diese Thematik zu vertiefen oder sich nur einen ersten Überblick verschaffen möchte, kann  das im Verlag für Polizeiwissenschaften veröffentlichte Buch „Gamecrime und Metacrime – Strafrechtlich relevante Handlungen im Zusammenhang mit virtuellen Welten“ (Cindy Krebs/Thomas-Gabriel Rüdiger ISBN 978-3-86676-147-6,   http://criminologia.de/2011/04/gamecrime-und-metacrime-kriminalitat-in-virtuellen-welten/ ) empfohlen werden. Einen ersten Eindruck zu dem Buch kann man sich auch mit dem frei abrufbaren Artikel „Neue Welten mit Deliktpotenzial“ in der Zeitschrift der Gewerkschaft der Polizei verschaffen.
Wer sich persönlich zu dieser Thematik austauschen will, hat hierzu am 20. August 2011 im Rahmen eines Fachvortrages zum Thema Gamecrime an der Donauniversität in Krems die Möglichkeit.
Hinweise und Rückmeldungen zu diesem Thema sind jederzeit unter gamecrime@gmx.de möglich.
So reagiert Sheldon aus der Serie Big Bang Theory als sein World of Warcraftzugang gehackt wurde: